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Im Winter ruht die Suche mit der Sonde. Deshalb widmen wir uns in der “staaden Zeit” der Recherche. Dann haben wir auch die Muße den Hinweisen auf bergbauliches oder auf Höhlen nachzugehen. Im Inneren der Berge herschen 5-7 Grad Plus und ein niedriger Wasserstand lässt uns oftmals weiter vordringen als es im Sommer möglich wäre. Das ist oftmals angenehmer als die 10 Grad Minus vor der Höhle. Einen Einblick in die Projektarbeit im bergbaulichen Umfeld bietet die folgende “Wintersuche” im Quecksilberstollen von Urfeld. Andy hat sich die Mühe gemacht die Ergebnisse zusammenzufassen. Einen weiteren Eindruck der mühseligen Sucharbeit im Gelände vermittelt die zweite Geschichte, die Fahndung nach einem der vergessenen Ölschieferbergwerke bei Wallgau. Und kurz vor der Auffindung steht der Stollen am Kramer, diesen hoffen wir 2010 wieder zu entdecken.
1: Auf der Suche nach edlen Metallen – die kuriose Montanhistorie von Urfeld
Bereits seit Jahrtausenden sind die Menschen auf der Suche nach den Schätzen der Erde. Angetrieben von der Notwendigkeit sich natürlicher Rohstoffe bedienen zu müssen oder motiviert, durch das Bergen edler Metalle schnellen Reichtum zu erlangen. Im Oberland datiert bewiesenermaßen der älteste Bergbau auf das 15. Jahrhundert, wahrscheinlich noch ältere Objekte sind vorhanden aber nur sehr schwer zeitlich eindeutig einzuordnen.
Auf eine kuriose Montanhistorie blickt der Weiler Urfeld am Walchensee zurück. In der Umgebung des Sees gab es ja schon mehrere bergbauliche Anlagen. Vornehmlich wurde dort nach Ölschifer gesucht und dieser auch gefördert. Ein anderes Metall weckte jedoch in Urfeld Begehrlichkeiten. 1797 begann man dort, nachdem in einer Quelle mehrere Pfund Quecksilber gefunden worden waren, einen Bergbau aufzufahren. In mühsamer Handarbeit wurde ein Sondierungsstollen im Laufe von sechs Jahren auf beachtliche 47m vorangetrieben, eine kurfürstliche Verfügung vom 17.12.1803 beendete den wohl unrentablen Bergbauversuch. Doch die Bergbauaktivität kam noch nicht zum Erliegen. Von Hoffnung getragen erwarb der ortsansässige Revierjäger und Forstwart Wolfgang Heiss im Folgejahr die Mine. Was dann bergbautechnisch geschah war bislang unbekannt. Initiiert von Lehrer und Geograf Andreas P. Kaiser, Garmisch-Partenkirchen, in Zusammenarbeit mit dem Geologen Johann-Peter Orth (Mittenwald) und Heimatforscher Jürgen Proske (Garmisch- Partenkirchen), wurde im Laufe einer mehrtägigen Aktion das Objekt wissenschaftlich untersucht. So gelang es den Forschern beispielsweise das Rätsel um die Vortriebstechnik zu lösen: Zunächst arbeiteten sich die Knappen in reiner Handarbeit in den harten Fels. Erst ab Stollenmeter 45 wurde Sprengstoff eingesetzt. Mittels großer Hammer und Handbohrer, deren deutliche Spuren in Wänden und Decke bis heute sichtbar blieben, bereitete man Sprenglöcher und somit den Einsatz von Schwarzpulver vor. Die neue Technik ließ den Stollen auf die beachtliche Gesamtlänge von 120m wachsen, in der es sich heute präsentiert.
Hans Peter Ort weist auf die Harnischfläche entlang der Stollenwand hin.
Die Forschungsarbeiten im Stollen gestalteten sich nicht einfach: So machte beispielsweise die erste Befahrung den Einsatz von Neoprenanzügen notwendig, da das Grubenwasser teils brusthoch stand. Mit Hilfe eines Heberschlauches konnten die Männer das Bergwerk kurzzeitig trocken saugen, um Untersuchungen an der Gangsohle durchführen zu können, in deren Rahmen das Objekt fotodokumentiert, neu vermessen und der vorhandene Plan korrigiert und ergänzt wurde.
Aus metertiefen Spalten in der Stollensohle schüttet eine Quelle. Angeblich soll die Wasserströmung hier Quecksilber aus der Tiefe herauf transportiert haben. Doch die große Dichte des flüssigen Metalls lässt diese Theorie sehr unwahrscheinlich erscheinen. Trotz intensiver Suche konnte nirgends im Bergwerk auch nur die Spur flüssigen Quecksilbers bzw. Quecksilber in Verbindung mit anderen Metallen (sog. Quecksilberamalgam) nachgewiesen werden. Waren die alten Knappen einem Mythos aufgesessen? War die jahrelange und mühsame Arbeit umsonst gewesen? Nein, denn der Stollen fand eine andere sinnvolle Verwendung: Um die Trinkwasser- versorgung Urfelds zu sichern wurde das Quellwasser durch ein kleines Wehr im Stollen aufgestaut. Diese Mauer und modrige Relikte einer Teuchelrohrleitung (ausgebohrte und ineinandergesteckte Baumstämme) bezeugen die ungewöhnliche Nutzung des Stollens als Trinkwasserreservoir.  
Oben: Das einzige Fundstück das zur Hoffnung Anlass gab dem Namen Quecksilberstollen gerecht zu werden. Wir erwarteten ein amalgamisiertes Stück Quecksilber zu finden, nachdem 1976 angeblich noch 125 Gramm des flüssigen Metalls im Stollen geborgen wurden. Eine genaue chemische Untersuchung durch Andy ergab leider zweifelsfrei Blei, vermutlich eine Kugel die im Stollen abgefeuert wurde.
Links: Hans Peter Ort steht auf der freigelegten Teuchelleitung, eine in mühevoller Handarbeit aus Baumstämmen gebohrte Holzrohrleitung. Diese Art von Leitungen wurde bis zum Ende des 19 Jahrhunderts verwendet.
Kürzlich haben wir weitere Hinweise auf ein Ölschieferbergwerk im Ammergebirge erhalten, das vor 200 Jahren aufgegeben worden ist, aber noch Abbauwerkzeug enthalten soll. Wir sind wie immer gespannt auf den wahren Kern der Story. Gibt es ein Ölschieferbergwerk, weisen evtl. alte Karten darauf hin? Wie weit geht es in den Fels, sind noch Verbaue vorhanden und liegen wirklich noch Werkzeuge aus dem 17. ten Jahrhundert in den Tiefen der Erde? Die Wahrheit wartet auf uns in den dunklen Kammern des Ölschiefers. Sofort nach der Schneeschmelze werden wir uns zu einer mehrtägigen Expedition ins Ammergebirge aufmachen. Die alten Karten die die Bergwerke ausweisen sind leider sehr ungenau. Damit ist die Lage nicht genau bekannt. Die Recherche über Google Earth hat schon einige potentielle Standorte enthüllt, die wir auf 1600 Höhenmetern gegenchecken werden. Hoffentlich ist der Eingang nicht durch einen Bergsturz oder eine Lawine verfüllt worden. Dann hätten wir über den Sommer viel Arbeit zu bewältigen. Und im August haben wir damit begonnen. Thema 3 “Ölschieferstollen am Kramer” berichtet weiter unten darüber.
2: Ölschieferabbau im Grubenfeld Joseph: Auf der Suche nach einem alten Stollen
„Joseph“ war die südwestlichste Mutung der Ölschieferwerke Karwendel GmbH mit Sitz in Krün. Hier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der im Hüttlegraben anstehende Ölschiefer über einen Stollen und einen Schacht abgebaut. In den insgesamt neun Mutungen des Isartales zwischen Krün und Vorderriss, die sich links und rechts der Isar erstreckten, wurde nur in drei im Untertagebetrieb gefördert. Die Grube Kurt ist das bekannteste Beispiel dafür, der Stollen im Grubenfeld „Isarberg“ bei Wallgau präsentiert sich deutlich kleiner, ein Stollen und ein Schacht im Hüttlegraben des Reviers „Joseph“ sind völlig in Vergessenheit geraten. Diese beiden Relikte zu verorten und zu dokumentieren war Anlass einer Geländebegehung. Da vor Antritt der Exkursion keinerlei Informationen zur Lage der Untertageobjekte recherchiert werden konnten blieb nichts anderes übrig, als über eine Geländeprospektion die Lage der bitumenreichen Schichten zu eruieren und von diesen ausgehend auf die Lage der Abbaustelle zu schließen.
Ein erstes Durchsteigen des Hüttlegrabens endete mit einem zunächst eher enttäuschenden Ergebnis. Zwar konnten zahlreiche Brocken des Ölschiefers im Bachbett gefunden werden, ein klassischer Flöz war allerdings nicht auszumachen. Bei etwa 960 mNN konnte keinerlei Ölschiefer mehr nachgewiesen werden. Spuren irgendeiner bergbaulichen Tätigkeit wurden nicht entdeckt.
Um einen Vergleich zu haben wurde dem nördlich benachbarten Felsengraben (Revier „Wolfgang“) ein Kurzbesuch abgestattet. Hier fand sich bei 1.000 mNN auf etwa 20 m Strecke eine Gesteinsserie mit Bitumenflözen von 1-2 dm Mächtigkeit. In der Hoffnung die Fortsetzung dieser Schichten in ähnlicher Dimension auch im Hüttlegraben antreffen zu können, wurde der Hüttlegraben ein weiteres Mal aufgesucht. Zunächst die nördliche Grabenkante talwärts steigend wurde der gegenüberliegende Hang und soweit einzusehen, die steile, nördliche Grabenflanke fernerkundet, ohne nennenswerte Erkenntnisse. Anschließend wurde der Hüttlegraben im Bachbett erneut abgesucht, diesmal mit der Intention, die Stelle der größten Bitumenhäufigkeit zu definieren. Diese fand sich im Bachbett bei etwa 950mNN, von flözähnlichen Strukturen wie im Felsengraben fehlte allerdings jede Spur. Trotzdem war die wohl wahrscheinlichste Stelle für einen Abbau im Hüttlegraben ermittelt. Doch wo lagen die Untertageeinrichtungen? Da diese im großdimensional aufgeschlossenen Hauptdolomit der nördlichen Grabenflanke nicht auszumachen waren, blieb noch die Option, das Gesuchte in der südlichen Flanke zu finden. Weglos wurde diese über Steilschrofen erklettert. Fund! Eine Pinge und mehrere auf etwa 20m linear angeordnete Mulden im Waldboden wiesen auf einen verstürzten Stollen hin. Der Muldenreihe zur Grabenkante folgend gelang es, die Lage des inzwischen verstürzten Mundlochs zu verorten. Eine Halde ist nicht vorhanden, das Hauwerk wurde wohl über die Steilflanke direkt in den Hüttlegraben gekippt. Bedingt durch den brüchigen Hauptdolormit haben Berwerke in unserer Gegend oftmals keine lange Standzeit und verfallen innerhalb weniger Jahrzehnte. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit Funde aus frühen Bergbauzeiten unberührt zu bergen.
Demnächst soll eine Probegrabung endgültige Gewissheit bringen. [wird fortgesetzt]
Weitere Informationen unter www.kaiser-geotrekking.de
Andreas P. Kaiser
3: Ölschieferstollen am Kramer: Auf der Suche nach dem verschollenen Bergwerk
Ölschiefer bedeutete für die einheimische Bevölkerung im 18. und 19. Jahrhundert, überwiegend Bauern, einen guten Zusatzverdienst für die arbeitsarmen und damit verdienstarmen Wintermonate, ein lukratives Zubrot. Wohl dem, der in der Nähe eines Ölschiefervorkommens seinen Hof hatte und der im Winter sein Brot mit dem Verkauf von Steinöl aufbessern konnte. Zwar war die Gewinnung sehr aufwendig, das Gestein musste abgebaut werden und destilliert, jedoch lohnte sich die bergbauliche Ausbeutung bei guten Flözen. Die Rohstoffe für die Destillation, Holz und Ölschiefer waren kostenlos zu gewinnen, das Steinöl fand mannigfache Verwendung. Noch heute werden daraus Einreibemittel für Pferde und Heil- und Körperpflegemittel für den Menschen gewonnen. Leicht ist festzustellen ob ein schwarzes Gestein Ölschiefer ist: Mit der Flamme eines Feuerzeuges. Entweder brennt, bei hohem Ölgehalt, der ganze Stein oder der typische Ölbrandgeruch ist am Stein wahrzunehmen.

Das markante schwarze Gestein des Ölschiefers Klammverhaue erschweren den Zugang erheblich
Die Karte von 1736 weist zwei Bergwerkssymbole am Kramer, einen Berg im Ammergebirge, auf. Eines der historischen Bergwerke ist auch heute noch bekannt und wurde von uns schnell gefunden. Der ca. acht Meter lange Stollen endet aprupt an einem Schild, der Flöz ist abgebaut und die Grube wurde aufgegeben. Man sieht noch deutlich die Abraumhalde und den Standort der Destille. Aber wo ist das zweite Bergwerk?
Über den Sommer erforschen wir die Umgebung des bekannten Bergwerkes und die Lainen - kein Stollen - Ein Tip aus dem Heimatmuseum führt uns linksseitig der Beistalllaine, einer der grösseren Kramerlainen, hinauf - aber auch kein Stollen -, keine Abraumhalden, keine Grabwerkzeuge können mit den Sonden aufgespürt werden. Andy entwickelt die Idee direkt in der Laine nach Bitumen zu suchen und dieser Spur zu folgen und so den Standort des Stollens auszumachen. Bingo - Bitumen in reiner Form, gute Qualität und grosse Brocken weisen uns in der Laine den Weg.

Wir überklettern mühselig die Wasserfälle und Holzverhaue in den Lainen und folgen der Bitumenspur. Plötzlich erkennen wir rechterhand den Verlauf eines Flözes, freigespült in der Laine, und entdecken gleichzeitig das Mundloch eines Stollens. Ein kleiner Prospektionsstollen wurde in den Fels getrieben auf der Suche nach einem Zugang zum ergiebigen Flöz. Für uns eine heisse Spur, aber wo ist der Hauptstollen? Wir folgen dem Flözverlauf aus der Laine hinaus, graben uns Fusstritte mit den Spaten um im steilen Gelände einen Stand für den weiteren Anstieg zu schaffen. Aber für einen solchen Einsatz sind wir nicht ausgerüstet. Schliesslich siegt die Vernunft. Wir beschliessen aufgrund des schmierigen Untergrundes des extrem steilen Geländes die weitere Erforschung der Gegend zu verschieben bis wir mit entsprechender Kletterausrüstung zurückkommen werden und hoffentlich das Bergwerk auffinden...

.. und an einem warmen Apriltag über ein halbes Jahr später lächelt uns das Entdeckerglück. Nach zwei Tagen intensiver Suche vor Ort finden wir ein “Wochenendhäuschen” im Wald. Wohl ein Refugium für einen Naturliebhaber. Und es steht direkt auf der Abraumhalde des gesuchten Bergwerkes. Kaum 20 Meter dahinter sehen wir den oberen Stollenbogen des Mundlochs, der Rest ist verschüttet. Wir planen für Sommer 2010 ein Abgraben des Schutts um den Zugang freizulegen. Wer Freude an altem Bergbau hat kann sich gerne beteiligen.
Unser Kurzvideo aus einer schlammigen Höhlenexkursion in das Gamsloch finden Sie hier.
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