Das aktuelle Suchwetter für Garmisch-Partenkirchen


     Geschichte und Geschichten aus Werdenfels: Unsere Vortragsreihe gemeinsam mit der Partenkirchner Bücherei:                       Thema am 07.03.2012 in der Ludwigstrasse 29 ab 19.30 Uhr:

Multimediavortrag: Geotrekking im Zugspitzland von Andreas Kaiser



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Der Rückzug

Im Sommer 2007 wurden wir auf das Tagebuch eines Gebirgsjägers der Gebirgsjägerschule M… aufmerksam. Darin beschreibt er ein Gefecht, an dem er selbst als Vorposten teilgenommen hat. Den Verlauf dieses Gefechtes und den Rückzug der beteiligten Truppen wollten wir über die zurückgebliebenen Relikte feststellen.

Aus dem Tagebuch eines Offizierschülers der Gebirgsjägerschule L....

 .28. April. 1945

K…, K….., bepackt wie Mulis.

Nach einer halben Stunde sind wir schwerbepackten Jäger trotz allen Trainings schon ziemlich fertig. Da kommt wie vom Himmel geschickt ein großer LKW mit Anhänger daher. Ein Kamerad hat ihn trotz der wegen Fliegergefahr abgeblendeten "Schlitzaugen" in der Dunkelheit rechtzeitig gesehen und angehalten. Wir dürfen aufsteigen und ca. vierzig Mann nehmen auf dem Motorwagen und weitere vierzig Mann auf dem Anhänger Platz. Einer war nicht mehr unterzubringen und er stieg auf die Deichsel. Dieser Kamerad sollte unser Lebensretter sein. Wir waren zwar abgebrühte Landser, mußten aber mit Entsetzen feststellen, daß der LKW mit Anhänger ca. 800_ Panzerfäuste geladen hatte. Wir saßen also wie auf einem Pulverfaß, und ab ging die Fahrt Richtung G...

Der LKW-Fahrer mußte uns leider vor unserem Einsatzziel absetzen, weil er eine andere Order hatte. Wir marschierten nun weiter bis Sankt G… und warteten im Heustadl auf unseren Einsatzbefehl.

30. April 1945

Es wird eine Vorpostengruppe von 13 Mann gegründet, die die Aufgabe hat, durch Maschinengewehrfeuer und Leuchtpistolen anzuzeigen, daß die Amis, die jetzt schon in G... sind, angreifen werden... Und ab geht's nach K... als Gefechtsvorposten.

In K... angekommen, hören wir schon Ari-Abschüsse und Sprengungen aus der Gegend um G.... Nach langen Überlegungen bezieht unsere Gefechts-Vorpostengruppe eine Stellung 300 Meter gegenüber dem Bahnhof von K.... Natürlich hatten wir wegen des schweren Gepäcks kein Schanzwerkzeug bei uns und kauerten uns hinter Felsvorsprünge. Wir hatten immer Experten bei uns, und zwei Mann schlichen sich zum Bahnhof nach K.... Dort stand ein wunderschöner Güterzug mit sagenhafter Verpflegung, der nicht weiterfahren konnte, weil die Amerikaner G… schon besetzt hatten... Ein Kamerad hatte sogar einen amerikanischen Spähtrupp am Bahnhof von K... entdeckt. Es herrscht Rauhreif und vereinzelte Ari-Einschläge sausen an uns vorbei. Sonst ist es aber ruhig, weil die Amerikaner uns nicht bombardieren können, da Rauhreif und Nebel herrschen. Einer unserer pfiffigsten Kameraden geht zur Panzersperre der Pioniereinheit. Sie versichern uns, daß hier keiner auf der nur 3 Meter breiten Engstelle neben der Isar durchkommt. Sie hätten fünfzig hochexplosive Minen gelegt. Wir könnten also ganz beruhigt sein. Um 5.00 Uhr früh erwarten wir den amerikanischen Angriff, nach den Angriffszeiten in Rußland. - Nichts geschieht. Um 7.00 Uhr herrscht immer noch für uns ungewöhnliche Stille. Um 8.00 Uhr dann fliegt unsere - von den Pionieren gelegte Panzersperre - in die Luft. Die Amis hatten Spezialpanzer eingesetzt, die mit Geräten, die wie Dreschflegel wirkten, alle Minen in die Luft gesprengt hatten. Damit war die Straße nach M… frei.

Um 9.00 Uhr erfolgt ein Panzer- und Infanterieangriff schwerster Art gegen uns. Kugeln und Querschläger sausen uns um die Ohren. Vierradangetriebene Jeeps mit 2-cm-Geschützen versuchen uns zu erwischen, weil wir befehlsgemäß unserer Hauptdivision den Angriff der Amerikaner durch MG-Feuer und Leuchtkugeln gemeldet hatten. Damit war unsere Aufgabe erfüllt, und wir konnten uns absetzen.

Das war leichter gesagt als getan, denn wir mußten uns nach mühseliger Überwindung einer Steilwand auf den Höhenkamm in Richtung K… durchschlagen... Von der Höhe aus konnten wir den Kampf der Haupttruppe der M… Jäger gut beobachten. Acht amerikanische Sherman-Panzer werden heute abgeschossen...

 

Der Ansatz war über die Ortsbeschreibung gegeben. Da die Vorpostengruppe jedoch einen anderen Rückzugsweg als die Hauptgruppe nutzte waren wir auf eine geograpische Analyse des Gebietes angewiesen. Alte Karten und Luftbilder klärten die Situation zusätzlich. Gegen Süden schloss ein Felsriegel die Gegend ab. Zwar wäre dieser Weg der kürzere Weg an den Standort zurück gewesen, jedoch nicht der Sichere. Also gingen unsere Vermutungen eher in Richtung Norden, sodass die Kampfgruppe dort in einem Bogen im Schutz der Berge den Weg zum Standort zurück angetreten hat. Mit vier Suchern und vier Sonden, sowie einer Tiefensonde, rücken wir an einem sonnigen Sommertag aus um die Geschichte zu überprüfen.

Inzwischen wurden wir noch auf eine versteckte Kiste mit Wertsachen in der Gegend hingewiesen, in der Nähe eines Heustadels. Nach einem halben Tag stellen wir die Suche an den Heustadeln ein. Zwar liegen dort viele Kleinteile herum, jedoch etwas Großes wie eine Kiste ist nicht festzustellen. Was wir jedoch finden ist ein eingefallenes zugewachsenes Grabloch in dem durchaus eine Kiste vor langer Zeit versteckt gewesen sein könnte.

Aber trotzdem ergab ein interessanter Fund eines Suchers: eine Pilgermedallie von 1756 in einem Maulwurfshügel. Erstaunlicher- weise bringen Maulwürfe ab und zu kleine Kostbarkeiten an das Licht, auch haben wir schon einen Silberring in einem Maulwurfshaufen gefunden.

Also konzentrierten wir uns wieder auf die Suche nach den Relikten des Gefechtes. Die Gebirgsjäger müssten sich ja irgendwo verschanzt haben. Wo, ist leider aus dem Tagebuch nicht ersichtlich, also auf geht es auf Suche mit den Sonden. Bis zum Nachmittag haben wir einige leere K98 Patronenhülsen gefunden, zwar mit Produktionsdatum aus Kriegszeiten, doch haben wir festgestellt dass nach dem Krieg viel Wilderei mit Kriegswaffen betrieben wurde. Einzelne Patronenhülsen weisen dann eher auf einen Jäger oder Wilderer hin, denn auf ein Gefecht. Dieser Tag bringt uns dort nicht weiter.

Zwei Wochen später zieht nur einer von uns los. Zwischenzeitlich haben wir einen Hinweis auf einen Helmfund vor einigen Jahren ca. 2 km Luftlinie vom dem Gefecht Richtung NO bekommen. Und richtig, dort finden wir einen weiteren deutschen Stahlhelm. Damit existieren zwei Fundpunkte und wir können eine Verbindung zwischen dem Gefecht und dem Fundpunkt ziehen. Auf der Karte sieht es so aus als hätten sich die Gebirgsjäger im Schutze des Waldrandes nach oben bewegt.

Auf dieser Linie werden wir einige Tage später fündig. Anscheinend haben die Gebirgsjäger alles Überflüssige auf dem Weg hinauf in die Berge weggeworfen. Vom Stahlhelm über Gasmaskenteile, leeren Munitionsbehältern und leere MG Ketten bis zu Ersatzlaufhalterungen für Maschinengewehre sind die Hänge gespickt mit Ausrüstungsresten. Die Ledertaschen sind entsprechen zerfressen und alles Metall korridiert. 

                                                                                                                        

Vermutlich wurden auch Waffen und Munition weggeworfen oder vergraben denn rechteckige Löcher deuten auf das Verstecken und spätere Bergen von Waffen hin. Wir finden auch einige, vor langer Zeit aushobene Schützengräben. Diese können wir nicht so recht einordnen, da Sie sich doch in 500 bis 600 Meter Entfernung zur Gefechtsposition befinden und nicht das Gefecht einsehen konnten. Evtl. eine Auffangstellung oder bereits früher angelegt. Das Kriegstagebuch gibt hier leider keine Hinweise wie die beiden Tage vor dem Gefecht verbracht wurden.

Ebenso entdecken wir mitten im Wald die Überreste einer Hütte. Auch der Ofen steht noch. Um die Hütte herum ist der Boden sehr vermüllt mit Nägeln, Schrauben, Beschlägen. Hier werden wir zukünftig noch weiter suchen.

Gruselig waren die vielen Kuhschädel in der Gegend. Offenbar war dort eine Stelle an der schwarz geschlachtet wurde und direkt vor Ort verarbeitet worden ist.

 

wird weitergeführt.....